Was ich noch gar nicht wusste: Wahlsteuer auf Wählerstimmen statt Wahlzwang


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Wanderarbeiter

Vorhin in einem Bilderbuch geblättert, genauer gesagt in einem Bildband mit Dokumentarphotos von Dorothea Lange, die von 1895 bis 1965 lebte und darin eine Reihe interessanter Photos über die 30 und 40 er Jahre in den USA veröffentlicht hat. Dank der Photos weiß ich nun, wie die Farmen der Farmer dieser Zeit typischerweise wirklich ausgesehen haben (erbärmliche Bretterbuden  – und damit ist nicht etwa die Elendshütte oben im Photo gemeint – und nicht so wie in den Hollywoodschmonzetten) und daß die Autos damals tatsächlich so aussahen, wie ich das als Kind in den alten Mickey Maus – Heften damals gesehen habe und wegen der seltsamen Formen irgendwie lustig fand.

Zwischen den Abbildungen fand ich einen Hinweis darauf, daß die Wanderarbeiter in Texas (die kamen oft aus Oklahoma, wo es eine ausgeprägte Dürre um diese Zeit gab) um 1938 allesamt nicht zu den Wahlen gingen. Der Grund: sie verdienten etwas über 20 Dollar im Monat und die Wahl kostete Wahlsteuer, von 3,5 $, also mehr als 1/10 des Monatsverdienstes.

Ich habe bislang noch nie von einer Wahlsteuer gehört.

Es scheint eine etwas fragwürdige interessante Veranstaltung namens „Demokratie“ zu sein, die uns unsere Befreier wenige Jahre später ungefragt mit Panzern ins Land hereingedrückt haben. Sicherheitshalber haben sie die Panzer deswegen auch bis heute gleich da gelassen. Nicht, daß sich jemand an dieser Importdemokratie vergreift!

Bei uns wird aber eher über eine Wahlpflicht diskutiert. Mir persönlich gefällt der Wahlsteuergedanke. Die Steuer sollte so hoch sein, daß die Kosten der Refutschies davon bezahlt werden konnen. Also am besten ein paar Hundert Euro x 4, mithin ein paar tausend Euro pro Wähler der Flutparteien. Also etwa ein Monatsverdient.

Die Texaner waren gar nicht so blöd.

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9 Antworten to “Was ich noch gar nicht wusste: Wahlsteuer auf Wählerstimmen statt Wahlzwang”

  1. Tyrion L. Says:

    Ach, das ist kein neuer Hut, geht alles in die Richtung, Habenichtse und Prekariat vom politischen Entscheidungsprozess fernzuhalten bzw. diesen den Leistungsträgern vorzubehalten (in dem Fall dadurch, dass man eine finanzielle Hürde einbaut – wer hat, der schafft an!). Gab ja auch zu Lucke-Zeiten Stimmen von Seiten der honorigen Wirtschaftsprofessoren in der AfD, dass z.B. H4 und Sozialhilfeempfängern das Wahlrecht gestrichen werden sollte, dafür sollte man ihnen ermöglichen, selber aktiv was für die Verbesserung ihrer Situation zu tun, etwa durch Verkauf einer Niere. Aber schon klar, dass die 40 da nur schmunzeln können, lol.

  2. vitzli Says:

    ja, das prinzip ist ein alter hut, aber konkret mit steuern, das war mir neu. für die wahlbeteiligung bei uns wäre sowas das pure gift, lol.

    über die wahlkonditionen im einzelnen kann man streiten ohne ende. alles ebene 2, :-/

  3. kopftisch Says:

    Ich hätte da einen Vorschlag, der in eine ganz andere Richtung geht:

    Wahlrecht bitte nur für Bürger, die Steuern zahlen, und somit klar festlegen, wofür ihr Geld ausgegeben werden soll. Warum sollte jemand, der nichts zur Allgemeinheit beiträgt über das Geld der Fleissigen, also deren Arbeitszeit, verfügen? Vom Wahlrecht sollten alle Politiker ausgeschlossen werden.

  4. Frankstein Says:

    Einspruch Tyrion, zu Einem verwechselst Du Entscheidungsprozesse mit Wahlen und zu diesen sind alle Prekären herzlich eingeladen. In Bremen sogar Minderjährige und Residenten. Zum Anderen sind die Bürger keine Entscheider, sondern bürgen für die Entscheidungen „ihrer“ Vertreter. Ich bemerke in den Diskussionen einen erheblichen Mangel an Demokratieverständnis. So gibt es immer wieder die Ansicht, Demokratie und Wahlen seien so eine Art gesellschaftlicher Fortschritt. Das ist ein Mißverständnis, bei einer Wahl gibt der freie Mann -und die Frau- seine Stimme irgendeinem Parteisoldaten. Der vielfach über den Weg Schule/Studium/Aktivist in den Politikbetrieb gelangt. Der also immer gepampert wurde und keinerlei eigene Leistungen vorweisen muß. Ich bin dafür, dass Unproduktiven jeglicher Art zumindest das passive Wahlrecht verweigert wird. Wer seinen Lebensunterhalt nicht selber verdienen kann, kann keinesfalls Politik für Produktive machen. Das wäre erstmal ein Anfang. Dann müßte die Wahlstimme mit einer einheitlichen Gebühr erworben werden, alleine um sie werthaltig zu gestalten. Was nichts kostet, taugt nichts. Aus dieser Gebühr werden die Politiker besoldet, es sind Söldner im Dienste der Wähler. Das macht die Zahl abhängig von der Wahlbeteiligung und spornt an. Mir ist egal, wie man das nennt, Hauptsache der Bürge wird dadurch zum Gläubiger.

  5. vitzli Says:

    frank,

    ich finde, das sind interessante überlegungen. vor allem die letzte, die neu für mich ist. (auch wenn wir nur auf der geistigen spielwiese turnen)

  6. jot.ell. Says:

    Kopftisch, du zeigst ganz deutlich den Fehler auf, den viele machen, wenn sie meinen, es gäbe Bevölkerungsteile, die keine Steuern zahlen. Steuern zahlen in Deutschland alle und nicht zu knapp über die Mehrwertsteuer von 19%. Und prozentual ist dieser Steueranteil umso größer, je weniger kohle jemand zur Verfügung hat, also wenn er alles Geld für den Lebensunterhalt ausgeben muss. Also das kann kein Kriterium fürs Wahlrecht sein.

  7. Waffenstudent Says:

    @ jot.ell. Says

    2/3 vom erarbeiteten Einkommen frißt der Staat!!! – Fast 1/3 muß der Chef abführen und vom ausgezahlten Bruttoeinkommen gehen fast nochmal 1/3 weg. Zusammen mit Mehrwertsteuer und den Anderen Steuern (Versicherungssteuer usw) kommt man so auf eine Arbeitnehmerabgabenlast von 2/3!

  8. vitzli Says:

    jot.ell,

    wer aus steuern hartz4 bezieht, zahlt KEINE steuern, wenn er im laden mehrwertsteuer bezahlt :-) ergibt sie nur zurück.

  9. jot.ell. Says:

    ich meine nicht harzer, die bleiben außen vor, aber man spricht ja von Leuten, die unter Freibetrag von 8 oder 16.000 plus (single oder Verh.) bleiben und die zahlen eben auch.

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